Meistern der ersten 90 Tage eines neuen Jobs
Herzlichen Glückwunsch! Sie steigen in einen neuen Job ein. Sie haben die emotionalen Anwandlungen und Anfänge des Einstellungsprozesses hinter sich gebracht. Nun erscheinen Sie voller Selbstvertrauen zu Ihrem ersten Arbeitstag und wiegen sich in dem Wissen, dass Sie aus allen Kandidaten ausgewählt wurden, weil Sie die richtige Kombination aus Fähigkeiten und innerer Einstellung für diesen Job mitbringen. Aber in Ihrem Hinterkopf klingen die unvermeidbaren Fragen, ob Sie die richtige Entscheidung getroffen haben, ob Ihr Einsatz geschätzt wird und ob die Realität des neuen Jobs mit den Erwartungen übereinstimmt.
Wie Sie diese Hoffnungen, Träume und Zweifel in den ersten 90 Tagen lenken, entscheidet massgeblich über Ihre Laufbahn in im neuen Unternehmen. Sie haben einen begrenzten Rahmen an Möglichkeiten, positiv auf sich aufmerksam zu machen und mit Ihren Qualitäten zu punkten.
Es gibt keine magische Formel, die Ihnen eine sanfte Eingewöhnungszeit sichert. Keine Codes, die die innerbetrieblichen Beziehungen regeln. Aber die folgenden Schritte können Ihnen dabei behilflich sein, das Beste aus Ihrer neuen Chance zu machen.
Machen Sie Ihre Hausaufgaben. Der größte Teil Ihres Erfolges während der ersten 90 Tage stellt sich ein, bevor Sie am ersten Tag zur Arbeit erscheinen. Nehmen Sie sich die Zeit und erfahren Sie so viel wie möglich über das neue Unternehmen. Bitten Sie um Material über das Unternehmen, z.B. Informationen über seine Produkte und Dienstleistungen oder seine Geschäftsstrategie. Notieren Sie sich die wesentlichen Fragen, auf die Sie eine Antwort möchten.
Beginnen Sie mit einem unbeschriebenen Blatt. So, wie Sie das Unternehmen erkunden, sollten Sie auch eine eingehende Bestandesaufnahme Ihrer eigenen Fähigkeiten, Verhaltensmuster und Gewohnheiten machen. Denken Sie über vorherige Jobs und Erfahrungen nach: Was lief gut für Sie und was nicht und warum. Sie haben die idealen Voraussetzungen geschaffen, ein neues und verbessertes professionelles Ich aufzubauen. Notieren Sie die persönlichen Charaktereigenschaften, die Sie verbessern möchten. Dann entwickeln Sie eine Strategie, wie Sie Ihre Stärken maximieren und Ihre Schwächen minimieren können. Wenn Sie zum Beispiel nie auf Tagungen vorbereitet waren, schreiben Sie Wege auf, wie Sie Ihre Leistung verbessern können. Wenn Sie bei Aufträgen immer zu spät sind, sollten Sie eine Routine zum Einhalten des Zeitplanes entwickeln. Erarbeiten Sie sich einen Ruf, ehrlich und integer zu sein. Diesen Ruf können Sie sich nur mit der Zeit erarbeiten. Werden Sie diesem Ruf stets gerecht, bei der Arbeit und überall.
Orientieren Sie sich selbst. Als Teil Ihrer Orientierung sollte Ihr Unternehmen einiges dazu beitragen, neuen Mitarbeitenden die Richtung aufzuzeigen und sie anzuleiten. Aber Sie können nicht damit rechnen, dass das Unternehmen die Initiative ergreift. Bedauernswerterweise sind sich nur wenige Unternehmen bewusst, wie wertvoll es ist, die Richtungsweisung als vorrangig zu betrachten. Seien sie unbesorgt. Denken Sie an das alte Sprichwort „Jeder ist seines Glückes Schmied“. Entwickeln Sie Ihr eigenes Orientierungsprogramm und führen Sie es durch. Veranstalten Sie Meetings mit den Hauptpersonen, mit denen Sie kommunizieren wollen. Erinnern Sie sich an Namen. Finden Sie heraus, mit welchen Abteilungen Sie zusammenarbeiten müssen. Sehen Sie sich nach Hilfsmitteln um, die Sie brauchen und auf die Sie sich stützen können.
Vermitteln Sie die richtige Botschaft. Kleiden Sie sich konservativ. Vermeiden Sie, dass Ihre Kleidung mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht als Ihre Ideen. Vermeiden Sie alle Handlungsweisen, die als Angriff auf andere gedeutet werden könnten. Dazu gehört es, keinen Alkohol in der Mittagspause oder zu beruflichen oder gesellschaftlichen Anlässen zu trinken, wenn Kunden und Subunternehmer anwesend sind, und sich keiner vulgären Ausdrucksweise zu bedienen.
Bleiben Sie auf dem Boden der Tatsachen. Der Zweck eines Unternehmens ist die Dienstleistung am Kunden. Finden Sie so viel wie möglich über den Kundenstamm Ihres neuen Unternehmens heraus. Was macht Ihr Unternehmen für Sie interessant? Warum bleiben Sie? Warum gehen Sie? Treffen Sie alle Entscheidungen auf der Grundlage der Kundenwunsches. Seien Sie die Stimme des Kunden. Obwohl Sie diplomatisch sein müssen, arbeiten Sie für den Kunden, nicht für das Unternehmen.
Seien Sie gebildet. Die Fähigkeiten, die Sie mitbringen, sind wichtig. Noch wichtiger aber ist, wie sich diese Fähigkeiten mit der Unternehmenskultur vertragen. Suchen Sie nach Hinweisen, wie die Firma arbeitet. Wie möchte Ihr Chef informiert werden: In einem improvisierten, persönlichen Meeting? Memo? E-Mail? Ist es eine Umgebung mit offenem Zugang oder werden formale Meetings bevorzugt? Wie werden sie geführt? Wer muss einbezogen werden? Wen müssen Sie wann auf dem Laufenden halten? Wie flexibel ist Ihr neues Unternehmen bezüglich Mittagspause, Freizeit und Arbeitsabsprachen? Es gibt kaum eine Möglichkeit, die Unternehmenskultur zu bekämpfen. Aber je mehr Sie über die ungeschriebenen Gesetze wissen, desto erfolgreicher werden Sie sein. Eine Faustregel: Erscheinen Sie immer pünktlich zu Verabredungen und Meetings. Das zeigt Respekt.
Hören Sie zu. Ihr kurz- und langfristiger Erfolg hängt von anderen Leuten ab. Das Team, in das Sie eintreten, war da, bevor Sie kamen, und wird noch da sein, wenn Sie gehen. Suchen Sie nach Wegen, sich einzufügen, so etwas wie eine Kameradschaft aufzubauen,und werden Sie ein Teil des Teams. Machen Sie das nicht allein. Sie müssen in Übereinstimmung mit denen arbeiten, die um Sie herum sind. Das bedeutet, dass Sie die Persönlichkeiten und Fähigkeiten der Menschen erkennen müssen, die Ihnen über- oder untergeordnet und gleichgestellt sind. Anfangs ist es wichtiger, wie Sie etwas tun, nicht, was Sie tun. Menschen arbeiten gerne mit Menschen zusammen, denen Sie sich verbunden fühlen. Finden Sie etwas über ihre Vorlieben und Abneigungen, ihre Erwartungen, Ziele, Enttäuschungen und Anliegen heraus. Ein Wort zur Vorsicht: Achten Sie genau darauf, mit wem Sie sich verbrüdern. Oft versucht ein missmutiger Mitarbeiter Sie zu umgarnen, um seine eigenen Ziele zu verfolgen. Behandeln Sie alle gleich, mit einer vorsichtigen Offenheit (keine Intimität), und stellen Sie sich nicht zu schnell mit einigen Einzelpersonen auf eine Stufe.
Behalten Sie Ihre Perspektive. Der Reiz eines neuen Jobs kann berauschend sein. Man kann schnell von den Leuten, den Prozessen und der Aufgabe der neuen Firma geblendet sein. Es wird Sie reizen, alle Fehler zu übersehen und die Warnzeichen zu ignorieren, weil Sie diesen Job haben wollen, um sich zu verbessern. Aber ist er wirklich besser oder nur neu? Das Neue wird vergehen. Lassen Sie Ihre kulturelle Antenne ausgefahren. Während diese Unzulänglichkeiten unbedeutend sein mögen, können Sie ein Hinweis auf tiefere personelle oder unternehmerische Belange sein, mit denen Sie auf Ihrem Weg zu tun haben werden.
Vermeiden Sie Politik. Harte Arbeit wird bemerkt und erntet Respekt. Durch interne Politik und Kämpfe kann man nicht gewinnen. Vermeiden Sie es, Ihre persönliche Stärke oder Ihren Machtbereich aufzubauen. Verstehen Sie, was das Unternehmen tut, und helfen Sie bei der Realisierung dieser Mission.
Preisen Sie es an. Sie hören und Sie vergessen. Sie sehen und Sie erinnern sich daran. Sie tun und Sie verstehen. Finden Sie heraus, was Ihr Unternehmen tut und wie es das tut. Erzählen Sie es Ihren Freunden und Ihrer Familie. Sie müssen fähig sein, jedem, der danach fragt, von Ihren Freunden bis zu Ihrer Grossmutter oder den Nachbarn, einen 30-sekündigen Überblick zu geben Je mehr Sie über Unternehmensziele und Unternehmenszwecke sprechen, desto klarer werden Sie für Sie und desto schneller können Sie danach leben.
Verdienen Sie sich Ihre Streifen. Sie sind zu Ihrer neuen Anstellung mit einer Liste voller Fragen und Ideen aus Ihrem vorherigen Job gekommen und wollen diese nun einbringen. Sie wollen sofort alles im Griff haben. Bauen Sie sich selbst einen Ruf auf. Beweisen Sie, dass die Entscheidung des Unternehmens richtig war, als man Sie einstellte. Unglücklicherweise ist das eine Gratwanderung. Wenn Sie zu aggressiv daherkommen, könnten Sie als eine Bedrohung für den Status Quo und als Angriff auf die Unternehmenskultur angesehen werden. Denken Sie daran, dass das Unternehmen Sie eingestellt hat, um eine Lücke zu füllen. Sie haben Sie nicht eingestellt, damit Sie die Firma umkrempeln. Sie möchten, dass Sie mit Ihnen in einem Boot sitzen. Nicht, damit Sie mit Ihrem eigenen Schnellboot Wellen machen. Warten Sie auf den richtigen Zeitpunkt, üben Sie sich in Geduld und die Gelegenheit, Dinge zu verändern, wird kommen. Denken Sie daran, es ist ein Langstreckenrennen. Bevor Sie Ihren Endspurt starten, müssen Sie eine Meile (wenigstens) in deren Schuhen gehen und Ihre Kräfte einteilen, damit Sie nicht zu früh ermatten.
Beginnen Sie klein. Wenn Sie von aussen kommen, sehen Sie viele Dinge, die Sie infrage stellen wollen und die Sie unbedingt ändern würden. Wie ein Jäger, der mit der geladenen Waffe vor einem grossartigen Ziel steht, können Sie wohl nicht alle Ziele auf einmal erreichen. Bevor Sie den Himmel mit Kugeln vernebeln, fixieren Sie ein ein kleineres Ziel an. In anderen Worten: Verhalten Sie sich ruhig, hören Sie, was vor sich geht und visieren Sie kleine, erreichbare Siege an.
Teilen Sie Anerkennung. Sie können schneller für sich selbst und Ihre Beiträge Akzeptanz erlangen, wenn Sie andere Leute einbeziehen. Beziehen Sie sie von Anfang an mit ein, und sie werden Sie durch das politische Minenfeld führen, Ihre Ideen aufpolieren und für eine bessere Mitwirkung sorgen. Überlassen Sie ihnen das Lob bei Erfolgen. Übernehmen Sie die Verantwortung, wenn es zu einem Reinfall wird. Wenn Sie Fehler machen, übernehmen Sie sofort die Verantwortung dafür. Wenn Sie das versäumen, wird das die Feindseligkeiten intensivieren. Und machen Sie den gleichen Fehler nicht noch einmal. Ersetzen Sie „ich“ und "mir“ in Ihrem Sprachgebrauch durch „wir“ und „uns“. Ihnen wird sofort eine Welle an Hilfsbereitschaft und gutem Willen entgegenwogen. Das Ziel ist der Vertrauensaufbau und das Erzeugen von Loyalität und Einsatzbereitschaft.
Machen Sie Ihre Aufgaben. Am wirkungsvollsten können Sie etwas über ein Unternehmen erfahren, wenn Sie Ihre Ärmel hochkrempeln und die niedrigsten Aufgaben erledigen, die es in jedem Job gibt. Wie werden die Anrufe beantwortet? Wie funktioniert das Drucken? Der Postraum? Und der Kaffee? Die Bereitschaft, diese Aufgaben zu übernehmen, wird Ihren Stand verbessern und Sie werden besser verstehen, was es heisst, den Job auszuführen.
Seien Sie taktvoll. Urteilen Sie nicht zu schnell. Die Strategie, die Sie verurteilen, könnte das Lieblingsprojekt einer Person sein. Gehen Sie von Ihren vorgefassten Vorstellungen ab und versuchen Sie zu verstehen, warum sie entwickelt und wie sie eingebracht wurden. Sie könnten etwas lernen. Wenn nicht, können Sie vielleicht durch Verständnis und Unterstützung wohl überlegte Verbesserungen einbringen.
Schaffen Sie die richtigen Vorbedingungen. In Ihrem Übereifer, zu gefallen, können Sie geneigt sein, mehr Arbeit anzunehmen, länger zu arbeiten und sich in Dinge ausserhalb Ihres Einflussbereichs einzumischen. Beachten Sie, dass Vorbedingungen schlecht zu kippen sind. Wenn Sie sich zurücknehmen oder langsamer werden, könnte das als abnehmende Einsatzbereitschaft oder Begeisterung angesehen werden.
Bleiben Sie ausgeglichen. Vergessen Sie nicht Ihre anderen Prioritäten im Leben, Ihre Familie, Ihre Gesundheit, Ihre Hobbys, Ihre Freunde. Wenn alle Facetten Ihres Lebens koordiniert sind, dann erst werden Sie in Ihrem Job Erfüllung finden. Denken Sie immer daran: Sie arbeiten, um zu leben; Sie leben nicht, um zu arbeiten.
